«Hier sind meine Dateien. Hier sind meine Zugänge. Mach mal.» Das ist ein seltsamer Weg, einen Menschen einzuarbeiten. Für Software, die auf Ihre Systeme zugreifen kann, ist es ein noch seltsamerer.
Ein KI-Agent ist ein Programm, das mit einem Sprachmodell (Ein Sprachmodell ist die eigentliche KI hinter einem KI-Assistenten: Es hat aus sehr viel Text gelernt und schreibt zu einer Eingabe eine Antwort.) selbst Schritte plant und Werkzeuge benutzt: Dateien lesen, Entwürfe schreiben, etwas in einer Tabelle nachschlagen. Das ist nützlich. Es ist aber kein Kollege mit Urteilsvermögen und Verantwortung, sondern ein Werkzeug mit Rechten, Kosten und Grenzen. Behandeln Sie es auch so.
Können heisst nicht dürfen
Ein fähiger Agent kann Dokumente lesen, Änderungen vorschlagen und seine Schritte erklären. Daraus folgt nicht, dass er Kundendaten durchsuchen, Zahlungen auslösen oder Mails an Ihre Kundschaft verschicken soll. Vier Fragen gehören auseinander:
- Was soll er erreichen? Das Ergebnis, nicht die Hoffnung.
- Was darf er sehen? Die Angaben, die er für diese Aufgabe braucht.
- Welche Werkzeuge darf er benutzen? Lesen ist etwas anderes als Schreiben, Schreiben etwas anderes als Senden.
- Wo hält er an? Der Punkt, an dem ein Mensch entscheidet.
Bei uns ist die letzte Frage nicht verhandelbar: Nichts, was wir bauen, schickt eine Nachricht nach aussen oder gibt Geld aus, ohne dass ein Mensch darüber entschieden hat. Alles andere vereinbaren wir Schritt für Schritt. Mehr Eigenständigkeit wird verdient, nicht vorausgesetzt: Zuerst schlägt die KI Angaben vor und Ihre Leute prüfen sie, später erledigt sie klar abgegrenzte interne Routinefälle. Die fünf Stufen dazu stehen auf der Seite Über uns.
Kontext ist ein Budget und eine Grenze
Mehr Kontext ist nicht automatisch besserer Kontext. Wer einem Agenten das ganze Laufwerk gibt, damit er einen Lieferschein liest, erzeugt Rauschen und legt Angaben offen, die mit der Aufgabe nichts zu tun haben. Auch das Kontextfenster (Kontext ist alles, was ein Sprachmodell bei einer Anfrage zu sehen bekommt; das Kontextfenster ist die Menge Text, die es auf einmal verarbeiten kann.) eines Modells ist begrenzt: Was nicht hineinpasst, sieht es nicht.
Ein gutes Arbeitspaket beginnt mit dem gewünschten Ergebnis, den Regeln, die gelten, den Dateien, die wirklich gebraucht werden, und einer Beschreibung, woran man erkennt, dass die Arbeit fertig ist. Braucht der Agent mehr, soll er fragen. Das macht seine Arbeit auch leichter zu prüfen: Wer kontrolliert, sieht, was er tun sollte.
Die Arbeit muss das Gespräch überleben
Der zweite häufige Fehler: Ein langes Chatgespräch wird zur einzigen Akte eines Vorgangs. Gespräche enden, Rechner starten neu, Verbindungen brechen ab. Ihr Betrieb braucht trotzdem eine Spur davon, was gelaufen ist und was sich geändert hat.
Halten Sie deshalb ausserhalb des Gesprächs fest, welche Aufgabe der Agent hatte, welche Dateien er bearbeitet hat, was herausgekommen ist und wer es freigegeben hat. Ein Protokoll (Ein Protokoll, auf Englisch Log, hält fest, was ein Programm oder ein KI-Agent wann getan hat.) klingt langweilig. Es ist der Unterschied zwischen überwachter Arbeit und Arbeit, auf die man nur hofft.
Wo es keinen Agenten braucht
Nicht jede Aufgabe verdient einen Agenten. Wenn zwei Programme jede Nacht dieselben Felder abgleichen sollen, genügt gewöhnlicher Code, der jedes Mal gleich läuft. Wenn ein Excel-Makro das Problem löst, ist das die Antwort. Einen Agenten setzen Sie dort ein, wo Eingaben stark voneinander abweichen und ein starres Regelwerk ständig bricht.
Auch die Wahl des Werkzeugs bleibt offen. Sie wählen die KI-Arbeitsumgebung (Ein KI-Harness ist die Arbeitsumgebung auf Ihrem Rechner, in der die KI Dateien liest und vereinbarte Arbeitsschritte ausführt.), das Modell und den Anbieter; Claude Code (Claude Code ist ein KI-Harness von Anthropic. Es läuft auf Ihrem Rechner, liest Dateien und führt Arbeitsschritte aus, die Sie in normaler Sprache beschreiben.) ist eine Option, keine Vorgabe. Entscheidend ist nicht das Logo, sondern die Stellenbeschreibung.
Arbeitsblatt
Eine Stellenbeschreibung in fünf Zeilen
Füllen Sie diese fünf Zeilen aus, bevor ein Agent für Sie arbeitet. Wenn eine Zeile leer bleibt, ist er noch nicht bereit.
Bewahren Sie die fünf Zeilen dort auf, wo auch festgehalten wird, was der Agent getan hat. So lässt sich später prüfen, ob er sich an seine Stelle gehalten hat.
Gutes Agenten-Design heisst nicht, dem Modell unbegrenzte Freiheit zu geben. Es heisst, nützliche Flexibilität mit Grenzen zu umgeben, damit Sie den Ergebnissen trauen können. Ein Beispiel aus der Praxis, bei dem genau das gilt, ist «Vom Posteingang zur Buchung: ein Klick, volle Kontrolle».

